Weniger ist mehr: Warum wir den Text immer wieder kürzen.
- 1. März
- 3 Min. Lesezeit
Als wir die erste Fassung von Laa, Lee & Luv vor uns hatten, waren wir erstmal stolz wie Bolle. Über 4.800 Wörter. Ein kleines Epos. Ein Abenteuer mit allem, was uns jemals zum Thema Meer eingefallen war. Zumindest dachten wir das.

Doch beim ersten richtigen Testlesen kam sie, die sanfte Ohrfeige: Die Geschichte war eher ein netter Ausflug mit sehr vielen Umwegen und ständigen „Oh, guck mal da drüben!“-Momenten. Zu viele Szenen, die wir „unmöglich“ rauswerfen konnten. Zu viele Erklärungen, die kein Kind dieser Welt braucht. Und am Ende viel zu wenig Fokus auf das, was die Geschichte eigentlich tragen sollte.
Radikaler Kahlschlag: Wenn die Löschen-Taste zum Freund wird
Unser Ziel war plötzlich klar: Wir mussten runter auf 3.500 Wörter für 32 Seiten. Ein Tempo, das Kinder mitnimmt und Vorleser nicht schon auf Seite 10 in die Knie zwingt. Klingt simpel? Ist es aber absolut nicht.
Wir haben das gemacht, was keinem Spaß macht: Wir haben radikal gekürzt. Absätze gestrichen, Dialoge verschlankt und Nebenstränge kurzerhand entsorgt. (Ein Riesenthema dabei waren die Begleitsätze – dazu schreiben wir bald noch einen extra Beitrag!). Das war Phase eins. Aber wir merkten schnell: Wir mussten das Buch nicht nur kürzen, sondern komplett neu bauen.
Buchbinder-Logik und der Rhythmus der Seiten
Plötzlich wurde das Ganze technisch. Erst planten wir mit 32 Seiten, später landeten wir bei 34. Und hier kam Marias „Buchbinder-Logik“ ins Spiel. Wir mussten uns fragen:
Wie viel Text verträgt eine Doppelseite, ohne zu erdrücken
Welche Seiten brauchen einfach mal Ruhe und nur ein starkes Bild?
Wo setzen wir den Mini-Cliffhanger, damit kleine Hände unbedingt umblättern wollen?
„Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ – Mark Twain
(So oder so ähnlich dachten wir uns bei jeder gestrichenen Zeile)
Bild und Text: Ziemlich beste Freunde
Und dann war da noch das Zusammenspiel mit den Bildern. Unsere Illustrationen starten als Scribbles, aber selbst die haben schon Ansprüche. Wir haben gelernt: Wenn ein Bild stark ist, braucht der Text weniger. Wenn ein Bild ruhig ist, darf der Text atmen.
Ein Kinderbuch ist ein Tanz: Wenn der Text schon alles verrät, nimmt er der nächsten Seite die Magie. Wir haben Seiten verschoben, Sätze gestrichen, damit ein Blick einer Figur funktionieren kann, und Wörter ergänzt, damit ein Scribble erst richtig Sinn ergibt. Kurz gesagt: Bild und Text dürfen keine Konkurrenten sein. Sie müssen beste Freunde werden.
Was wir auf dieser Etappe gelernt haben:
Weniger ist besser: Die Geschichte wurde durch das Streichen klarer, lebendiger und viel spannender. Die Figuren können endlich atmen.
Schreiben heißt Auswählen: Es geht nicht darum, noch mehr reinzupacken, sondern das Richtige stehen zu lassen. Manchmal tut das weh. Aber am Ende bleibt nur das, was wirklich zählt.
Kinder lieben Tempo: Sie spüren sofort, wenn eine Geschichte fließt und sie merken noch schneller, wenn sie sich zäh wie Kaugummi zieht.
Ballast abwerfen, damit die Geschichte Fahrt aufnimmt
Vielleicht steckst du ja selbst, wie wir gerade, in einer kreativen Phase. Dann merk dir einfach die drei Sachen:
Eine Geschichte wird nicht besser, wenn sie länger wird.
Mut zum Streichen ist genauso wichtig wie Mut zum Schreiben.
Gute Bücher entstehen selten in der ersten Version.
Die wichtigste Frage, die wir uns immer selbst stellen: „Würden wir an dieser Stelle selbst umblättern wollen?“
Wir sind mit Laa, Lee & Luv noch mittendrin. Aber jetzt fühlt es sich endlich nach einer Geschichte an, die wirklich funktioniert. Und wer weiß – die nächste Fassung stellt bestimmt wieder alles auf den Kopf. So ist das eben, wenn man ein Buch baut, statt es nur zu schreiben.
Wir sind neugierig:
Wie geht ihr mit dem Kürzen um? Fällt es euch leicht, Dinge wegzulassen, oder hängt ihr an jedem Satz? Hinterlasst uns einen Kommentar, wir freuen uns auf den Austausch mit euch!
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